Ministransat 2017

Oktober 19, 2017

Jörg Riechers, Siebter bei den Prototypen, über die erste Etappe und die Aussichten für das restliche Race

Die erste Etappe des Mini-Transats war für das Offshore Team Germany und seinen Piloten, den 49-jährigen Hamburger Jörg Riechers, nicht einfach – als Siebter beendete er das erste Teilstück von La Rochelle zu den Kanaren, dabei war und ist ein Podiumsplatz in der Königsdisziplin der stark ausgereizten Prototypen das Ziel. Was waren die Ursachen für den verhaltenen Auftakt?

„Ich wusste, dass ich ein sehr schnelles Boot habe“, analysiert Riechers seine Leistung. „Ich wusste aber auch, dass ich das Boot kaum kenne, weil die Vorbereitungszeit von knapp zwei Monaten normalerweise nicht ausreicht, um sich auf ein Rennen dieser Art vorzubereiten. Insofern war der Start zu diesem Transatlantik-Rennen unter diesen Umständen auch ein Aufbruch ins Ungewisse.“

„Vom Start weg lief alles sehr gut, ich hatte mich in der Spitzengruppe etabliert und konnte leicht den Speed der Top-Boote mitgehen und war streckenweise sogar noch etwas schneller. Das Problem kam in Form des Kap Finistere auf mich zu, 25 bis 30 Knoten Wind und die üble Welle dort. Das waren keine Top-Bedingungen für unseren ‘Lilienthal‘.“

„Bei den harten Vormwind-Bedingungen konnte ich den Speed der Spitzengruppe nicht mitgehen. Das lag zum einem am Design, das wir bewusst für andere Bedingungen gewählt haben, aber auch an der Tatsache, dass ich mit dem Boot noch nie bei solchen Bedingungen aufgrund der kurzen Vorbereitung gesegelt bin.“

„Nachdem der Wind auf 20 Knoten abgenommen hatte, konnte ich den Speed der anderen Top-Boote wieder mitgehen und war über große Strecken einer der schnellsten. Die Taktik mit dem eher westlichen Kurs griff nicht so wie gewünscht, und die zähe Flaute südlich von Madeira zehrte ziemlich stark an den Nerven.“

Im Ziel hatte Riechers 8 Stunden und 47 Minuten Rückstand auf den Führenden Ian Lipinski, und rund zweieinhalb Stunden fehlen ihm zu Platz drei. Beim Mini-Transat werden die Zeiten beider Etappen addiert, der Teilnehmer mit der geringsten Zeit gewinnt.

Was bedeutet der Rückstand?

„Die Platzierung klingt schlechter, als sie tatsächlich ist“, so Riechers. „Für mich und das Team ist bei diesem Transat noch alles drin! Ich kenne das Boot jetzt sehr viel besser und weiß, dass ich bei bestimmten Bedingungen ein exzellentes Boot habe (zwischen 14 und 19 Knoten zumindest das zweitschnellste Boot der Flotte). Ich weiß aber auch, dass ich bestimmte Bedingungen (mehr als 22 Knoten) auf der zweiten Etappe vermeiden muss.“

„Darauf werden wir das Routing für die zweite Etappe abstimmen. Des Weiteren werden wir das Setup des Bootes noch weiter verändern, um es für Vormwind-Bedingungen über 20 Knoten schneller und komfortabler zu machen. Das geht vielleicht zu Lasten der Amwind-Leistung, aber die Chance, bei der zweiten Etappe Amwind- Bedingungen zu finden, liegt quasi bei null.“

Die zweite Etappe von Las Palmas nach Martinique startet am 30. Oktober.

Text: Lars Bolle, Yacht

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