Morten Bogacki und „Lilienthal“ wachsen zusammen

Der Mini des Offshore Team Germany nimmt Fahrt auf. Beim zweiten Auftritt in diesem Jahr ist „Lilienthal“ auf Platz fünf gesegelt. Skipper Morten Bogacki, der mit dem OTG-Mini das erste Mal im Solo-Regattamodus unterwegs war, segelte bei der Pornichet Select über 300 Seemeilen stets im Vorderfeld mit und hätte unter den über 70 Startern mit etwas mehr Erfahrung auf dem Boot sogar auf das Podium fahren können.

„Ich bin sehr zufrieden, auch wenn gerade der Verlust des vierten Platz‘ kurz vor dem Ziel etwas ärgerlich war. Aber ich habe gekämpft, und es war gut zu sehen, dass man in der Spitze mithalten kann – und das, obwohl Lilienthal immer noch nicht die optimalen Segel hat“, berichtete Bogacki.

Nach dem Start vor Pornichet an der französischen Atlantikküste (westlich von Nantes) hatte der Kieler sogar das Feld der Mini-Spezialisten angeführt, musste dann aber zunächst Axel Trehin auf der „Cherche Partenaire“ ziehen lassen. „Man hat schon gemerkt, dass mit mehr Erfahrung noch einiges an Potenzial aus den Booten herauszuholen ist. Das fehlt mir noch. Und es ist natürlich schwer, während der Regatten zu experimentieren“, sagte Bogacki. Bis zum westlichen Kurspunkt vor Les Birvideaux hielt der OTG-Skipper Platz drei. Auch François Jambou mit der „Marée Haute“ konnte seine größere Erfahrung ausspielen, um den Mini auf Speed zu trimmen.

Danach gelang es Morten Bogacki weitgehend, die Angriffe der großen Flotte abzuwehren und sich auf die besonderen Herausforderungen des Solo-Langstreckensegelns einzustellen. „Nachdem die erste Nacht schweinekalt war, habe ich am zweiten Tag etwas Kraft tanken können. Bei leichten Winden konnte ich im Cockpit immer etwas dösen. Ausgeruht in die Nacht zu gehen, ist wichtig, um nicht irgendwelchen Quatsch zu machen.“ Und wie schnell sich die Situation ändern kann, zeigte sich, als Bogacki in der Dunkelheit mit einer Fischerboje kollidierte. Er war gerade dabei, die Systeme zu checken, als er von der Tonne komplett ausgebremst wurde. Mit etwas Mühe und dem Einrollen des Code-0 gelang es ihm aber, sich selbst wieder zu befreien. „Leider hat das natürlich einiges an Zeit gekostet.“

Zeit, die am Ende für eine noch bessere Platzierung gefehlt hatte. Auf Rang vier hinter Erwan Le Méné auf der „Rousseau clôture“ steuerte Bogacki auf dem letzten Schenkel in Richtung Ziel vor Pornichet. Und hier rutschte ihm noch Vincent Lancien mit der „Roll my Chicken“ knapp durch. „Er ist extrem dicht unter Land entlang geschlichen. Das habe ich mich nicht getraut. Dazu fehlten mir die lokalen Kenntnisse“, berichtete Bogacki, der zudem noch nach der richtigen Am-Wind-Balance der „Lilienthal“ zwischen Höhe und Schnelligkeit suchte: „Genau an diesem Punkt wird mir die weitere Erfahrung helfen. Jetzt bin ich erst einmal froh, das Rennen so gut durchgestanden zu haben und freue mich auf eine richtige Mahlzeit.“

Ein Lob für den couragierten Auftritt kam von OTG-Teammanager Jens Kuphal: „Unser Ziel ist es, mit der Kampagne den deutschen Offshore-Nachwuchs zu fördern. Und mit Morten haben wir den richtigen Mann ausgesucht. Er hat ‚Lilienthal‘ schon nach wenigen Wochen fast auf das Niveau des vergangenen Jahres gebracht.“

In den nächsten Wochen stehen nun weitere Härteprüfungen für Morten Bogacki an. Schon Anfang Mai soll es von Quiberon aus ins 500-Seemeilen-Rennen „Mini en Mai“ gehen. Und wenn das Wetterfenster passt, will der approbierte Arzt auch noch die 1000-Seemeilen-Qualifikation für das Mini-Transat segeln, das im September den bisherigen Höhepunkt seiner Offshore-Karriere bilden soll.

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